Methoden

Moshé Feldenkrais - Der Mensch hinter der Methode

Dr. Moshé Feldenkrais, geboren 1904, wuchs in der heutigen Ukraine auf. Mit 14 Jahren ging er nach Palästina, wo er die Selbstverteidigungstechnik Jiu-Jitsu zunächst lernte und später auch unterrichtete. Um Physik und Elektrotechnik zu studieren, zog Feldenkrais 1930 nach Paris. Dort arbeitete er nach seinem Studium als Nukleartechniker im Labor von Frédéric und Irène Joliot-Curie, die für die erste Kernspaltung 1935 den Nobelpreis erhielten. Während seiner Zeit in Paris lernte Feldenkrais den Judo-Begründer Jigoro Kano kennen, gründete den ersten Judo-Club Frankreichs und war einer der ersten Europäer, die den „schwarzen Gürtel“ erlangten ...

Ich bin nämlich der Ansicht, dass Ihre geheimen Wünsche in Wirklichkeit nicht bloße Wunschträume sind, sondern dass jeder von uns so leben könnte, wie er es sich insgeheim wünscht. Was uns daran hindert, ist Unwissenheit. Wenn wir nicht wissen, was wir tatsächlich tun, dann können wir unmöglich das tun, was wir möchten. Moshé Feldenkrais in „Die Entdeckung des Selbstverständlichen

Moshé Feldenkrais
in „Die Entdeckung des Selbstverständlichen“

Die Feldenkrais Methode - für Wen? Und Wozu?

Jeder Mensch kann durch die Gruppen- und Einzelstunden der Feldenkrais®-Methode etwas Neues für sich gewinnen. Die positiven Wirkungen sind vielseitig und nachhaltig.

Sie können:

  • größere Wahlfreiheit im Handeln entdecken und damit Ihre Handlungsfähigkeit erweitern
  • Ihre Körperwahrnehmung schulen
  • ungünstige oder schädliche (dysfunktionale) Handlungs- und Bewegungsabläufe erkennen und durch funktionell angemessenere, flexiblere und weniger anstrengende ersetzen
  • in Ihren Bewegungen Leichtigkeit und Eleganz entdecken um im Leben das tun zu können was Sie tun möchten
  • Eigenständigkeit und Verantwortung entwickeln
  • Ihre innere Balance finden
  • körperlich und seelisch flexibler werden.

Die Feldenkrais®-Methode eignet sich für Menschen jeden Alters und kann in allen Arbeits- und Lebensbereichen förderlich sein.

Prävention

Verbesserung der Koordination und Beweglichkeit Minimierung von Stress und stressbedingten Symptomen Förderung des körperlichen Wohlbefindens und der seelischen Ausgeglichenheit Entwicklung der Körperwahrnehmung (Erweitern der Bewegungsspielräume bei gleichzeitiger Sensibilisierung für die eigenen Grenzen) Schulung von Gleichgewicht und Orientierung Wahrnehmen und Vermeiden einseitiger Bewegungsabläufe (wie langes Sitzen oder Stehen)

Rehabilitation

Rückgewinnung der Beweglichkeit nach Verletzungen und Operationen Auflösung von einseitigen Belastungen oder Schonhaltungen funktionale Verbesserung bei orthopädischen oder neurologischen Beschwerden ( z.B. Schlaganfall- oder MS-Patienten) Unterstützung in der psychosomatischen Behandlung

Schauspiel

Förderung der Kreativität und Authentizität in der Bewegung Förderung von Ungezwungenheit und Leichtigkeit im Spiel Schulung der Wahrnehmung von Unterschieden der Bewegungsqualitäten ( "zu sein" <=> "zu spielen")

Musik

Schulung der Sensomotorik und somit der Qualität des eigenen Spiels Verfeinerung der kinästhetischen Wahrnehmung Erkennen und Auflösung von Fehlhaltungen und unnötiger Muskelanspannung Vorbeugung von Bewegungseinschränkungen infolge einseitiger Belastung

Sportler und Tänzer

Verfeinerung der Bewegungsabläufe Leistungssteigerung durch verbesserten Krafteinsatz Schulung der Wahrnehmung eigener Grenzen und Fähigkeiten - Vermeidung von Überbelastung Wahrnehmen und Vermeiden einseitiger Bewegungsabläufe

Säuglinge, Kleinkinder und Kinder

Unterstützung in der Bewegungsentwicklung bei Frühchen oder bei Kindern mit prägnant einseitigen Bewegungsmustern Kinder, die unter großer Unruhe oder Bewegungsarmut leiden bei Wahrnehmungsstörungen und Aufmerksamkeitsdefiziten (ADHS) Unterstützung der Eltern-Kind Beziehung

Die Feldenkrais Methoden in Übersicht

Awareness through Movement (ATM)

„Awareness through Movement“ oder „Bewusstheit durch Bewegung“ sind die Gruppenstunden der Feldenkrais®-Methode. In diesen gestaltet der Practitioner Lernprozesse, in denen achtsam konkrete Bewegungsabläufe wahrgenommen werden können. Die Teilnehmer_innen werden verbal dazu eingeladen die eigene Bewegung zu erkunden, zu erkennen und zu verstehen. So entdecken Sie über Ihre Sinneseindrücke (spüren, fühlen, denken) neue Möglichkeiten und Qualitäten in Ihrer eigenen Bewegung. Das erweiterte Selbstbild und die Bewusstheit über die eigene Organisation hilft Ihnen, neue Beweglichkeiten auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene zu erlangen.

Funktionale Integration (FI)

Als FI wird die Einzelarbeit der Feldenkrais®-Methode bezeichnet. Sie findet zumeist im Liegen statt, kann aber auch im Sitzen oder Stehen durchgeführt werden und ist eine meist wortlose, durch die Hände geführte Kommunikation von Mensch zu Mensch.

Die Themen, die Ihnen wichtig sind, werden gemeinsam in einem kurz- oder langfristigen Prozess erarbeitet. Dabei geht das Vorgehen immer von Ihrem gegenwärtigen Entwicklungsstand aus, um von dort aus nach verborgenen Potenzialen zu suchen und Ihnen zu mehr Leichtigkeit in der Bewegung zu verhelfen. Über achtsame Berührungen lassen sich die Zusammenhänge des Körpers in der Bewegung erfahren, neue Variationen der Bewegung tun sich auf. „Eingefleischte“ Verhaltensweisen werden bewusst und der Veränderung zugänglich, eine neue sensomotorische Gestalt kann entstehen, das Selbstbild erweitert sich. Dies führt zu einer veränderten Bewegungs- und Handlungsorganisation, einer neuen Gelassenheit im Alltag, zu größerem Selbstvertrauen und zu mehr körperlichem und seelischem Wohlbefinden

Wir handeln nach dem Bild, das wir uns von uns selbst machen. Ich esse, gehe, spreche, denke, beobachte, liebe nach der Art, wie ich mich empfinde. Dieses Ich-Bild, das einer sich von sich macht, ist teils ererbt, teils anerzogen; zu einem dritten Teil kommt es durch Selbsterziehung zustande.

Viele wissen, was sie nicht wollen; einige, was sie möchten; die wenigsten, wie dies auch zu erreichen wäre. Bewusstheit kann die Verwirrung lösen: in ihr scheint auf, was vonnöten ist und der Weg dahin. Damit setzt sie die schöpferischen Kräfte frei.

Moshé Feldenkrais
in „Bewusstheit durch Bewegung“, Suhrkamp 1978